Tomate

von Michaela Kohlbacher-Schneider E-Mail

Lycopersicon esculentum

Erscheinungsbild

Aromatische Tomaten aus dem eigenen Garten sind ein wahrer Augen- und Gaumenschmaus. Aus der Vielfalt an gelben, orangen, roten oder sogar violetten Früchten ist es nicht leicht, die eigenen Lieblingssorten herauszususchen. Es gibt kleinfrüchtige kompakte Buschtomaten für den Balkon bis hin zu Riesentomaten mit über 2 m Wuchshöhe. Tomatenpflanzen können auch gut in größeren Kübeln kultiviert werden, die an einem regensicheren Platz z.B. unter dem Dachüberstand stehen sollten.

 Typ

Starkzehrer

Wasserbedarf

ständig ausreichend Wasser

Standort

Tomaten möchten an einen geschützten warmen und sonnigen Standort, vertragen aber keine extreme Hitze. Sie brauchen nährstoffreichen, durchlässigen Boden. Ich pflanze Tomaten im Freien unter ein lichtdurchlässiges Tomatendach. Nach Norden habe ich einen Hang, der mit dunklem Hintergrund und Ziegelsteinen die Tomaten mit der Widerhitze der Sonne erwärmt. Seitlich nach Ost und West schütze ich mit Hohlkammerplatten bzw. Erdwällen vor Wind. Südlich ist das Tomatendach offen der Sonne ausgesetzt. Den Regen, der auf diese Überdachung fällt, sammle ich mit einer Regenrinne und einer Regentonne neben den Tomaten und kann damit ohne großem Aufwand mit lauwarmen Wasser gießen.

Wichtig ist das lichtdurchlässige Dach, da sonst die Pflanzen "ins Kraut schießen" und leicht umknicken. Ich kam bei einem Fehlversuch mit dem Aufbinden der Triebe nicht nach, dafür waren die Früchte eher klein und die Pflanzen waren anfällig für Braunfäule.

Anzucht

  • Vorkultur ab Ende Februar für das Gewächshaus und Mitte bis Ende März für das Freiland in Töpfen auf der Fensterbank. Etwas 3 bis 4 Wochen später die Jungpflanzen pikieren und einzeln in Töpfe pflanzen. Temperatur tagsüber bei 21°C und nachts bei 19°C halten.

  • Auspflanzen erst ab Mitte Mai mit einem Abstand von ca. 70 cm. Vorher können viele Pflanzen schon im Topf im Freien abhärten. Pflanze Tomaten möglichst tief, so bilden sie am Stammgrund zusätzliche Wurzeln. Ausgesetzte Pflanzen sofort bewässern.

  • Saatgutvermehrung: "Tomaten sind Selbstbefruchter und kreuzen sich nur selten (einige wilde Arten bilden da eine Ausnahme). Um Saat zu gewinnen, kann man also Früchte von Pflanzen benutzen, die nebeneinander gestanden haben. Man erntet dafür reife oder überreife Früchte, die keine Krankheiten zeigen. Tomatensaat wird präpariert, indem man die Samen mit dem Fruchtfleisch einige Tage schimmeln lässt. Die ganzen Früchte, schön ausgereift, überreif oder sogar faul, werden dafür erst mit dem Stabmixer zerkleinert und anschließend in einer offenen Schale an einen warmen Ort gestellt. Man muss täglich umrühren, um den Schimmel, der sich darauf gebildet hat, wieder zu verteilen. Nach drei Tagen wird alles in einer großen Schüssel intensiv mit warmen Wasser ausgespült. Die Schalen, das Fruchtfleisch und die untauglichen Samen setzen sich dabei an der Oberfläche ab; was unten bleibt, sind die tauglichen Samen. Gießen Sie die Mischung ab, fangen Sie die Samen auf und spülen Sie sie noch einmal in einem Sieb durch. Lassen Sie die Samen danach auf einem Stück Papier an einem warmen Ort trocknen. Tomatensamen sind an einem kühlen, dunklen Ort sieben bis 10 Jahre haltbar."1)

 Anbau in Torfsäcken

Pflanze vier Setzlinge in einen speziellen Torfsack oder einen mit Torf gefüllten alten Düngesack.

Ich nehme einfach einen 40-50 Liter Sack mit Bio-Tomatenerde, stelle ihn hochkant in einen Balkonblumentrog und schneide drei Kreise mit etwa 10 cm Durchmesser in die Folie des Sackes. Hier pflanze ich die Setzlinge ein. Sei vorsichtig bei der Bewässerung, weil die Säcke keine Drainage haben und die Gefahr besteht, dass die Pflanzen zu nass stehen. Ich habe nicht die Möglichkeit, jeden Tag die Feuchtigkeit der Tomatenerde zu kontrollieren, daher bewässere ich sie mit Keramikkegel, die auf mit Wasser gefüllte Pet-Flaschen geschraubt und nahe des Setzlings in die Erde gesteckt werden. Ich wähle dafür die Keramikkegel, die das meiste Wasser (50 ml pro Tag) abgeben. Natürlich muss ich, wenn ich bei meinen Tomaten bin, den Wasserstand in den Flaschen, die Feuchte das Substrat kontrollieren und in Trockenzeiten auch zusätzlich gießen. Das Bewässern mit gelochten Schläuchen und/oder Bewässerungsschläuchen für Tröpfchenbewässerung mit Wasser aus der Regentonne hat sich bei meinen Tomaten nicht bewährt, das Substrat hat sich zu schnell verhärtet. Empfehle daher die Methode mit den Pet-Flaschen und Keramikkegeln mit Wasser aus der Regentonne, mit der ich das Wasser von meiner Tomatenüberdachung auffange.

Ringkultur

Ringkultur hat sich im Setzhaus bestens bewährt, eignet sich aber auch für das Freiland. Bei Platzmangel oder verseuchtem Boden lohnt sich ein Versuch.

Zwei Wochen vor dem Auspflanzen der Setzlinge stellt man Ringe aus Kunststoff oder Linoleum mit einem Durchmesser und einer Höhe von ca. 25 cm auf ein sauberes Kiesbeet. Diese Ringe füllt man mit spezieller Saaterde oder einer eigenen Erdmischung. Zwei TAge vor dem Einpsetzen tränkt man den Kies und die Erde in den Ringen mit einer Düngerbrühe. Dazu weicht man einen durch und durch organischen Kompost oder Mist in Wasser ein, so dass eine dicke Brühe entsteht und fügt nach Möglichkeit etwas Fischmehl zu.

Beim Auspflanzen wird die Erde in den Ringen mit Wasser angefeuchtet, und auch in den nächsten zehn Tagen wird in den Ringen gegossen. Wenn die Wurzeln den Kies erreicht haben, wird nur noch der Kies gegossen und dieser ständig feucht gehalten. Einmal wöchentlich wird er reichlich mit Düngerbrühe versorgt. Im übrigen werden die Tomatenpflanzen wie gewöhnlich behandelt.

Pflege

Gib den Pflanzen eine stible Wuchshilfe in Form von gewundenen Metallstäben oder Bambusstäben, an denen die Triebe angebunden oder hochgewunden werden. Immer ausreichend mit lauwarmen Wasser gießen. Alle zwei Wochen mit organischem Dünger, Beinwellaufguss oder Brennnesseljauche düngen. Wichtig ist, dass du nur den Boden, nicht aber die Pflanzen gießt. Tomaten brauchen nicht sehr viel Wasser, müssen aber ständig gegossen werden. Wenn der Boden austrocknet, platzen die Früchte. Tomatenwurzeln brauchen Wärme, deshalb werden die unteren Blätter abgezwickt und die Pflanzen möglichst aufrecht erzogen, so dass die Sonne auch im Wurzelbereich den Boden erwärmen kann. Wenn im Herbst die Nächte kälter werden, empfiehlt es sich, die Pflanzen von den Stützen zu entfernen, flach auf Stroh zu legen und mit Tunneln zu schützen.

Geize bei Stabtomaten laufend die neuen Triebansätze in den Blattachseln aus. Bei Busch- und Kirschtomaten ist das nicht nötig. (Ich persönlich geize gar nicht aus, sondern knicke nur den Trieb, wenn er eine gewisse Höhe = Tomatendach erreicht hat.)

Ernte

Ab Ende Juli die reifen, ausgefärbten Früchte vorsichtig mit dem Stiel abpflücken. Verletzungen der Haut vermeiden. Rote Tomaten frisch verzehren, einkochen oder einfrieren.

Im Frühherbst pflückst Du die restlichen grünen Tomaten und legst sie zum Reifen in Tüchern oder Papier gewickelt an einem kühlen Platz nach. Sie müssen dunkel liegen und dürfen auf keinen Fall der Sonne ausgesetzt werden. Du legst eine Schublade mit weichem Filz aus - in einem kühlen Raum! - und packst darauf eine Lage Tomaten so, dass sich die einzelnen Früchte nicht berühren. Dann kommt wieder eine Lage Filz, darauf eine Schicht Tomaten usw. Die grünen Tomaten kommen ganz nach unten, die reiferen weiter nach oben.

 Tipp

Den Boden im Herbst mit Kompost oder organischem Langzeitdünger anreichern.

Mischkultur

Verträgt sich gut: Buschbohne, Knoblauch, Kohl, Kohlrabi, Salat, Sellerie, Kohlrabi, Lauch, Petersilie

Verträgt sich nicht: Erbse, Fenchel, Kartoffeln, Gurken

Beikraut/Unterpflanzung: Basilikum gegen Mehltau und weiße Fliege, Dill bei der Aussaat

Schädlinge und Krankheiten

  • Kraut- und Knollenfäule (Braunfäule): Da Freilandtomaten ebenso anfällig für diese Kartoffelkrankheit sind, wie Kartoffeln selbst, sollten sie während des warmen Sommerwetters alle vierzehn Tage mit Kupferkalkbrühe gespritzt werden. Sollte solch eine Spritzung durch einen nacxhfolgenden Regen abgewaschen werden, wird sie einfach wiederholt.
  • Erdraupen: Diese Schädlinge fressen die Stiele der Pflanzen gerade über der Erde durch. Schütze die Pflanzen durch kleine Pappkragen oder streue Holzasche um sie herum.

Sorten

  • Amati: frühe, gegen Krankheiten robuste Stabtomate

  • Balkonstar: niedrige, frühe Buschtomate, auch für den Balkonkasten

  • Corazon: große rote Fleischtomate, Typ Ochsenherz

  • Dasher: robuste längliche Kirschtomate

  • Goldene Königin: gelbfrüchtige Stabtomate mit runden Früchten

  • Maranello: mittelfrühe Stabtomate, Spitzenzüchtung mit besonders viel bioaktiven Inhaltsstoffen

  • Sweet Million: gegen Krankheiten robuste, süße und frühe Kirschtomate

  • Gelbe Johannisbeere: kleine gelbe Cocktailtomaten, müssen nicht ausgegeizt werden, beliebt bei Kindern, sehr süß

  • Rio Grande: große rote Fleischtomate, etwas länglich mit fester Haut, gut für Salate, Sugos und Salsas

Literatur

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1 Kommentar

Kommentar von: nichtgifter [Besucher]
nichtgifter"Da Freilandtomaten ebenso anfällig für diese Kartoffelkrankheit sind, wie Kartoffeln selbst, sollten sie während des warmen Sommerwetters alle vierzehn Tage mit Kupferkalkbrühe gespritzt werden. Sollte solch eine Spritzung durch einen nacxhfolgenden Regen abgewaschen werden, wird sie einfach wiederholt."
Und wer sich den Boden dauerhaft (außer bei Kupfermangel) mit einem Schwermetall belasten möchte, sollte dies auch unbedingt tun. Viel Spaß damit!
Wer von den HobbyPermakultouristen weiß denn wie hoch die Kupferaufnahme und somit der Austrag durch die Pflanzen aus dem Boden ist und wer kann sich dem "Viel-hilft-viel" Prinzip erwehren?
Ach ja es gibt, abgesehen von rein technischen Vorbeugemaßnahmen (siehe oben) auch was zum spritzen. Tip: Lebermoos, Knoblauch-, Zwiebel- nachschlagen.
11.09.12 @ 15:13

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