EU-Abstimmung über GVO-Pollen im Honig ging zum Nachteil der europäischen Imkerschaft aus

von Michaela Kohlbacher-Schneider E-Mail

Und wer noch fragt, warum es wichtig ist, österreichischen Honig (in Österreich in der Anbau von genmanipulierten Pflanzen NOCH verboten, folglich kann auch Honig und Pollen aus österreichischer Ernte nicht kontaminiert sein) zu kaufen und nicht irgendwelchen Honig (auch aus EU-Ländern), der lasse sich folgenden Bericht auf der Zunge zergehen:

EU-ABSTIMMUNG ÜBER GVO-POLLEN IM HONIG GING ZUM NACHTEIL DER EUROPÄISCHEN IMKERSCHAFT AUS.

Ök.-Rat Ing. Josef Ulz in Bienen aktuell / März 2014

Die europäischen Imkerorganisationen forderten im Jänner die Mitglieder des Europäischen Parlaments aufgrund gravierender Mängel des Vorschlags der Kommission eindringlich auf, zur Änderung der Honigverordnung den Bericht des Umweltausschusses zu unterstützen.

In Anlehnung einer Ausschreibung des österreichischen Erwebsimkerbundes habe ich die Faktenlage in dieser Causa für Sie geschätzte Imkerinnen und Imker etwas zusammengefasst.

UM WAS GEHT ES IN DIESE FRAGE GVO-POLLEN?

Pollen ist ein natürlicher Bestandteil von Honig. Daher war die grundsätzliche Frage, ob GVO-Pollen ein natürlicher Bestandteil von Honig ist. Die Basis für alle GVO-Regulierung in der EU ist die Annahme, dass GVO-Material nicht natürlich ist und daher zugelassen und gekennzeichnet werden muss. Der Vorschlag der Kommissionberücksichtigt auch nicht, dass GVO-Pflanzen nicht nur eine QUelle für GVO-Pollen sind, sondern auch Nektar produzieren, welcher die Kennzeichnung auslösen würde. Diese Tatsache ist Grundlage für die Kennzeichnungsvorschriften für Sortenhonig.

Der Vorschlag der Kommission beruht auf der falschen Annahme, dass der Kennzeichnungsschwellenwert von 0,9% nach Gewicht definiert sei. Da es unmöglich ist, genetische Veränderungen zu wiegen, orientieren sich die Richtlinien für Analytik an dem, was tatsächlich gemessen werden kann: die modifizierte DNA nach Spezies. Das ist formal nicht in Konflikt mit dem Gesetzestext, weil der Begriff "Masse" oder "Gewicht" in der Vorordnung überhaupt nicht existiert.

HINTERGRUND: In der EU gelten als Prinzip die Grundlage der Regulierung des Imports und Anbau von GVOs.

WAHLFREIHEIT: Durch Kennzeichnung wird der Verbraucher in die Lage versetzt, zwischen GVO und GVO-freien Lebensmitteln zu wählen.

KOEXISTENZ: Durch geeignete Koexistenz-Regeln soll die Erzeugung von GVO-freien Lebensmitteln weiterhin möglich sein.

NULL TOLERANZ: Nur Produkte, welche von EU-Behörden getestet und als sicher für den menschlichen Verzehr erklärt wurden, können in Verkehr gebracht werden.

In diesem Zusamenhang ist der Vorschlag der Europäischen Kommission zu sehen:

  • Er schützt nicht die Wahlfreiheit des Verbrauchers beim Honig.
  • Er bietet keinen Schutz für Imker, die für ihre Kunden GVO-freien Honig produzieren möchten.
  • Er wird keine Auswirkung auf die Auswirkung auf die Verfügbarkeit von Honig in der EU haben,
  • Er bietet keine wirkliche Erleichterung für Imker in Analysekosten und Kennzeichnung.

Tatsächlich wird der Vorschlag der Europäischen Kommission dazu führen:

  • Dass die GVO-Industrie sich keine Mühe geben muss, die Imkerei zu schützen,
  • Dass die Honigimporteure ihre Kunden im Dunkeln über den GVO-Status des Honig halten können,
  • Dass der Honig das einzige Lebensmittel sein wird, bei dem die Verbraucher keine Wahlfreiheit haben.

Wichtigste Gründe dafür, den Bericht des Umweltausschusses seitens der Imkerschaft zu unterstützen:

Die Wahlfreiheit des Verbrauchers beim Honig schützen!

Die von der Kommission vergeschlagene Änderung der Honigverordnung wird zum vollständigen Verlust der Wahlfreiheit der Verbraucher beim Honig führen.

Wenn Pollen einer genetisch veränderten Pflanze im Honig vorhanden ist, sollte er als Zutat "aus GVO hergestellt" eingestuft werden, um sicher zu stellen, dass auch der Honig in den Anwendungsbereich der Verordnung 1829/2003 Artikel 12 (2) der Verordnung (EG) Nr. 1829/2003 fällt:

Die GVO-Kennzeichnung gilt nicht, wenn der Anteil der gentechnisch veränderten Lebensmittel nicht höher als 0,9% der Lebensmittelzutat ist.

Es sollte klar sein, dass der Schwellenwert von 0,9% nicht nach Gewicht oder Volumen definiert ist, sondern als Prozentsatz der analysierten DNA pro Spezies. Weil der Nektaranteil des Honigs in der Regel keine DNA enthält, ist es auch völlig unerheblich, ob der Pollen als INhaltsstoff oder Bestandteil definiert ist.

Der Begriff "Bestandteil" hat keinen Einfluss darauf, wie die Prozentsätze berechnet werden. Es ist nur wichtig, weil die Gesetzestexte rund um die Kennzeichnungspflicht sich auf diesen Begriff beziehen.

Um eine Kennzeichnungslücke im Fall von Honig zu vermeiden, entschied der EuGH, dass Pollen als Zutat zu behandeln ist, unabhängig von der Frage, ob der POllen durch den Imker in den Honig gekommen ist oder nicht. Die GVO-Analyse mit Hilfe von PCR wird immer nur INformationen über den Pollen und keine Informationen über den Nektar liefern. Die Labors erhalten Ergebnisse über die Zahl von Genkopien. Die Anwendung von einem Faktor, mit dem die Ergebnisse im Gewicht umgerechnet werden könnte, würde zu erheblich fehlerhafte Ergebnissen führen.

Der Pollenanteil von Honig kann variieren, ist aber in der Regel weniger als 0,1% der gesamten Honigmasse. In der Diskussion um die Kennzeichnungsschwelle gibt es Verwirrung über die Definition des Schwellenwertes von 0,9%. Wegen der TAtsache, dass die PCR-Analyse nicht Masse, sondern Pollen-DNA misst und Umrechnungsfaktoren auf Masse falsche Ergebnisse produzieren würde, ist die DNA nur einer der möglichen Hinweise auf die GVO-Herkunft des Lebensmittels. Wenn die Produktionsaufzeichnungen zeigen, dass eine GVO-Ernte verarbeitet wurde, muss das Produkt gekennzeichnet werden, auch wenn keine DNA gefunden wurde.

Der Änderungsvorschlag der Kommission schützt die Gentechnikindustrie und die Honigimporteure, aber nicht die Imker.

Wenn Honig von GM-Pollen kontaminiert ist, kann dies dazu führen, dass dieses Produkt in der EU nicht verkehrsfähig ist. Wo GVO-Anbau stattfindet, hat der Honigsektor hohe Analysekosten, um herauszufinden, ob Honig kontaminert ist und ob dieser Event eine Lebensmittelzulassung hat, oder ein Kennzeichnungsschwellenwert erreicht ist.

Ein effektiver Weg zur Minimierung der Belastung der Erzeuger und Abfüller ist durch die Einrichtung von öffentlichen Standortregistern von GVO-Feldern oder GVO-Regionen in Verbindung mit Koexistenzregeln zum Schutz der Imker.

Das Urteil des EuGH hat die Lieferung von Honig in die EU nicht gefährdet!

Die Behauptung von FEEDM (European Federation of Honey Packers und Distributers) über steigende Preise und Probleme, Honig in die EU einzuführen, sind falsch. Tatsächlich ist es so, dass sich die Anbieter aus den großen Exportländer bereits auf das veränderte Umfeld eingestellt haben.

Ein starker Anstieg der US-Importe von Honig seit dem Jahr 2008 hat zu großen Veränderungen auf dem Weltmarkt geführt - unabhängig vom EuGH-Urteil.

Der Markt hat sich nicht auf die Versuche der Kommission, das EuGH-Urteil zu umgehen, gewartet. Der Privatsektor ist mit Recht davon ausgegangen, dass die eine lange Zeit dauern könnte und vielleicht nie stattfinden wird. Deshalb hat die gesamte Branche die notwendigen Investitionen in Analysekapazitäten bereits getätigt.

Die Entscheidung des EuGH führt keineswegs zwangsläufig zu zusätzlichen BElastungen bei der Kennzeichnung durch eie "Zutatenliste".

Der Bericht des Umweltkommitees stellt korrekt fest, dass auch nach dem EuGH-Urteil der Honig von der Verpflichtung zu einer Zutatenliste (Artikel 9 der Verordnung 1169/2011) ausgenommen werden kann, um die zusätzlichen Kosten zu vermeiden.

Die mit der Analyse verbundenen K0sten werden auf Chargen von Honig umgelegt. Diese Kosten können erheblich minimiert werden, wenn ein Standortregister von GVO-Feldern oder Regionen eingerichtet wird. Dieser Ansatz wird bereits durch das deutsche Bundeslandwirtschaftsministerium genehmigt und von den Supermarktketten akzeptiert.

MEINUNG

Hier die Meinung des österreichischen EU-Abgeordneten Dr. Seeber: "Die EU-Rechtsprechung im Bereich der gentechnisch veränderten Organismen (GVO) basiert auf dem Prinzip, dass GVO nicht natürlich sind und daher einer Risikobewertung, einer speziellen Zulassung und einer entsprechenden Kennzeichnung unterweorfen sind. Auch wenn normaler Pollen ein natürlicher Bestandteil von Honig sein mag, gentechnisch veränderter Pollen kann keinesfalls als solcher gelten. Daher ist es notwendig, auf die Ketagorisierung als "Zutat" zu bestehen, weil rechtlich nur so Risikobewertung, Zulassungsverfahren und Kennzeichnung gewähreistet werden können. Meine Position in der Abstimmung wird sein:

  • Dem Konsumenten die freie Entscheidung für oder gegen gentechnisch veränderten Honig erleichtern
  • Den Imkerei-Sektor bei der Produktion von GVO-freiem Honig zu unterstützen."

ABSTIMMUNGSERGEBNIS

Bei der Abstimmung im EU-Plenum in Straßburg am 15. Jänner 2014 haben die Befürworter von genmanipulierten Nahrungsmitteln einen bitteren Sieg errungen. Mit 430 Ja-Stimmen zu 224 Nein-Stimmen konnten sie durchsetzen, das GVO-Pollen als natürlicher Bestandteil von Honig gelten und nicht gegenüber den Konsumenten deklariert werden müssen. Das widerspricht einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 6. September 2011 (C-442/09) und beraubt damit naturorientierten Imkern ihrer rechtlichen Möglichkeiten, gegen Verunreinigung ihrer Produkte vorzugehen.

Die ÖVP-Abgeordneten Österreichs stimmten alle im Sinne der Imkerschaft ab. Ein aufrichtiges Danke seitens der Imkerschaft dafür, auch wenn es letztlich nicht gereicht hat.

2014-02-15 Kick-Off in das heurige Bienenkistenjahr

von Michaela Kohlbacher-Schneider E-Mail

wir brauchen mehr Leute, die aus reiner Liebhaberei imkern,

deshalb werben setzen wir unser im letzten Jahr begonnenes Projekt "Bienenkiste als wesensgemäße Bienenhaltung" auch heuer wieder fort. Einsteiger können damit auch heuer neu beginnen .

1. Grundlagen naturnaher Bienenhaltung

Tageskurs 15.3.14: komprimierte Einführung in das Leben der Bienen und darauf aufbauend Informationen zu der artgerechten Bienenhaltung in der Bienenkiste. An diesem Samstag geht es um die ersten Schritte zum eigenen Bienenvolk.

Es werden wichtige biologischen Kenntnisse über die Biene vermittelt, die Ausrüstung und die Handhabung der Bienenkiste erläutert, die Aufgaben und Arbeiten im Jahresverlauf besprochen.

Vorführung: Zusammenbau einer Bienenkiste 

2. Aufgaben und Aktionen im Jahresverlauf 2014 :

Besichtigung und praktische Demonstrationen am Bienenstandort. Betreuungsmaßnahmen im ersten Bienenjahr. Entsprechend den Entwicklungsphasen des Bienenvolkes treffen wir uns rotierend nach Teilnehmer –Standort. Terminabsprachen werden je nach Wetterlage individuell geplant.

  • Mai : Schwarmzeit
  • Juni : Bautriebkontrolle
  • Juli : Varroadiagnostik
  • August: Honigraum-Durchsicht und Futtervorrats-Kontrolle
  • Oktober: Entmilbung und Mäuseschutz , Winterruhe

 Empfohlene Lektüre: www.bienenkiste.de oder auch das entsprechende Buch. 

Als „Imkerlotse“ steht bei Fragen und Problemen gern zur Seite: Christine Hadler, 0049-40-792 34 19, chadler[at]gmx.de

Das Projekt Bienenkiste wurde mit dem Hanse-Umweltpreis 2009 des Naturschutzbundes Deutschlands (NABU) ausgezeichnet.


Termin: 15. März 2014, 9:30-17:30Uhr
Anmeldung : bis 25. Februar, bitte Formular ausfüllen und an im Formular angegebene Adresse schicken: ANMELDUNGWORKSHOPBIENENKISTE2014.pdf

Ort: Wachsstub'n Cafe, Fürstenhofplatz 1, Alter Getreidespeicher, A-9360 Friesach
Kosten: Kurs-Gebühr (für alle Teile): 150 € am 1. Kurstag zu entrichten
Materialkosten für die Bienenkiste: 140 € vorab bei Anmeldung zu entrichten
Kontonummer am Anmeldeformular. Anmeldungen werden nach Einlangen des Materialbeitrages gereiht.
Paare/Gemeinschaften können eine Kiste natürlich auch gemeinsam bauen!

Weiterführende Links:

Moderne Selbstversorgung

von Michaela Kohlbacher-Schneider E-Mail

Habe heute von Michi von derknauserer.at den aktuellen Newsletter bekommen, dort hat Erwin von der-clevere-Lebenskuenstler.de seine Sicht zur Selbstversorgung beschrieben, die mir sehr gut gefällt. Deshalb möchte ich sie Euch auf keinen Fall vorenthalten und bedanke mich gleichzeitig, dass dieser Artikel unter der GNU zum weitergeben frei gegeben ist.

Selbstversorgung ist so alt wie die Menschheit selbst und auch noch bei Naturvölkern die normale Lebensweise. Nachdem der Mensch erfahren mußte, daß er hinfort im Schweiße seines Angesichts sein Brot essen müsse, blieb ihm nichts anderes übrig, als loszutigern und Eßbares zu finden. In der ersten familiären Arbeitsteilung zog der Mann hinaus ins feindliche Leben und brachte als Jäger und Sammler die Ergebnisse seiner Bemühungen in die heimische Höhle, wo sie von den Frauen weiterverarbeitet wurde. Aus den Höhlen wurden später Behausungen, und die ersten Versuche einer stationären Landwirtschaft begannen. 

Bald bildeten sich Stammesformen heraus mit Häuptlingen. Anführern oder Fürsten, die zunehmend danach trachteten, sich selbst und vor allem ganz selbstverständlich versorgen zu lassen, während sie bemüht waren, die Siedlungsgebiete ihrer Stämme immer weiter auszudehnen, was bald zu feindlichen Begegnungen führen mußte. Dadurch entstand mittels Plündern und Brandschatzen eine neuartige Art der Selbstversorgung, die noch heute gerne geübt wird, nicht nur in Kriegszeiten.

Gleichzeitig gelang es, eroberte Völker zu unterjochen und deren Angehörige zu Sklaven zu pressen, was ebenfalls heute noch gang und gebe ist und das ebenfalls zu Zeiten eines relativen Friedens, wie er derzeit in Europa besteht. Denn auch in der EU arbeiten fast 900.000 Sklavenarbeiter für kriminelle Organisationen. Dazu kommen zum Beispiel in Deutschland noch Millionen Millionen Bezieher von Hartz IV oder Grundsicherung im Alter, die sich als quasi Leibeigene den Schikanen und Diktaten angeblicher Sozialämter zu fügen haben. Ämter, deren Hauptaufgabe seit Gerhard Schröder, dem großen Bastakanzler, zuförderst das Fordern ist und erst ganz am Ende das Fördern steht, besonders gerne jedoch das Hinausbefördern oder Leistungsverweigern. Hauptsache, die Armen bleiben arm und fügsam.

Ein beliebtes Mittel, sich ebenfalls der Selbstversorgung zu entziehen und sich gut versorgen zu lassen, ist zu behaupten, man sei im Besitze geheimen Wissens, das man hüten müsse vor dem einfachen Volk, so wie es überwiegend von Priesterkasten gehandhabt wird. Dies nicht nur im alten Ägypten oder der Antike allgemein, sondern immer gerne dann, wenn es um die Auslegung heiliger Bücher geht. Dies sowohl fürs Morgenland als auch fürs Abendland. Oder anders ausgedrückt: Was hat sich seit der Zeit, als Otto von Corvin seinen "Pfaffenspiegel" schrieb, eigentlich geändert, sieht man zum Beispiel die Vorgänge im Bistum Limburg? Was das mit Selbstversorgung zu tun hat? Ich bitte Sie, sowas ist doch Selbstversorgung pur.

Lassen wir die Demagogie. Kommen wir also dazu zu klären, was uns daran hindert, uns verstärkt selbst zu versorgen. Oder noch besser gesagt, finden wir Möglichkeiten, dies auf ganz neue Art wieder zu praktizieren und uns vor Monsanto samt Gift und Genen zu schützen. Bekanntlich sind nur wenige von uns in der Lage, über einen eigenen Garten, einen größeren Balkon oder ähnliches zu verfügen, da in der Stadt einfach der Platz dafür fehlt. Gut, es gibt Urban Gardening oder Urban Farming, wie es so schön neudeutsch heißt. Aber ist das eine Lösung bei den Abgasen, die die immer größer werdenden Fahrzeuge ausstoßen? 

Das Leben auf dem Lande, schön und gut, ist immer nur auf den ersten Blick erstrebenswert. Bald fühlt man sich in die Walachei versetzt und kommt sich vor, als lebe man am Arsch der Welt, nachdem über Jahrzehnte der öffentliche Personennahverkehr zugunsten einer florierenden Automobilindustrie vernachlässigt wurde. 

Dazu kommt, daß viele längst die Fähigkeiten vergessen und verloren haben, um zu gärtnern, zu handwerken, zu kochen. In vielen Ehen ist der Mann allein schon deshalb der Koch, weil die holde Gattin im Karrierewahn gerade noch über die Kenntnis verfügt, mit Mühe und Not Wasser zu kochen ohne größere Schäden anzurichten. Um dieses Manko zu beheben, müssen vor einer Selbstversorgung neuen Stils erst einmal die Grundkenntnisse wiedererworben werden. Zu diesem Zweck gibt es in jeder gutsortierten Buchhandlung entsprechende Bücher und an Volkshochschulen jede Menge Kurse. Von Experten sollte man sich per Kräuterwanderung in die Geheimnisse der Natur einführen lassen. Und dann - delegieren wir die Selbstversorgung. Wie das?

Aus den USA kommt nicht nur jede Menge Unsinn zu uns nach Europa, sondern auch so manche gute Idee. Die heißt in diesem Fall "Community Supported Agriculture", kurz CSA, ist das Gegenteil zur industriellen Landwirtschaft und auch in Deutschland langsam im Kommen. Das Netzwerk Solidarische Landwirtschaft umfaßt mittlerweile 36 Initiativen. Dazu nötig ist ein Landwirt mit Mitarbeitern - und vor allem möglichst vielen Mitgliedern, die regelmäßig die erzeugten Güter abnehmen. Also das ganze Spektrum, was so ein großer Hof erwirtschaftet samt Hühnern, Enten, Gänsen, Schweinen und Kühen. Die Mitglieder zahlen dann monatlich einen festen Betrag, etwa 150 Euro pro Erwachsenen und pro Kind die Hälfte. Wer begütert ist, zahlt auch mehr, dafür Arbeitslose oder andere weniger Zahlungskräftige entsprechend weniger.

"Eingekauft" (abgeholt) wird wöchentlich und zwar immer das, was gerade geerntet wird. Das ist im Sommer reichhaltiger als im Winter, ganz nach der Jahreszeit und selbstverständlich regional. Näheres über das Konzept steht auf der Seite www.solidarische-landwirtschaft.org und enthält auch die Liste der Höfe, die bereits nach dem CSA-Prinzip wirtschaften. Zwar hat es sich unter Landwirten herumgesprochen, daß als gute Existenzgrundlage die Umwandlung eines Hofes in ein "Gut Aiderbichl" möglich ist - sowas haben wir auch hier in der Nachbarschaft -, nur eine Lösung der Probleme aller ist das nicht, wohl aber eine Genussgemeinschaft von Städtern und Bauern, siehe www.genussgemeinschaft.de. Weiterhin kann man Patenschaften für Nutztiere übernehmen und erhält dann jährlich einmal deren Erzeugnisse (Käse, Fleisch etc.) oder man erwirbt Eieraktien. Um Näheres darüber zu lesen, ist Google gerne bereit es zu suchen und zu finden (Wieso heißt eine Findemaschine eigentlich Suchmaschine?).

Selberpflücken von Früchten wie Erdbeeren, Himbeeren und anderen ist ebenfalls eine gute Möglichkeit der Selbstversorgung, die auf vielen Feldern angeboten wird. Andere Gärtner, die von vielem Obst in manchen Jahren überfordert werden, stellen ihre Früchte vors Haus zur Mitnahme gegen eine Spende oder beglücken sowieso die gesamte Nachbarschaft damit.

Wer einen Kurs bei einer Kräuterhexe mitgemacht hat, zieht im Frühjahr, Sommer oder Herbst durch Felder und Wälder und sammelt Kräuter und Beeren, was besonders dem Nachwuchs Freude bereitet. Wenn im Herbst die Zeit der Pilze gekommen ist, herrscht ohnehin viel Bewegung in den Wäldern. Doch nicht nur der Geheimtip, wo was besonders gut und vielfältig wächst, sondern auch rechtzeitig ein Kurs in Pilz-, nicht Pils-Kunde, ist hilfreich. Und dann gibt es noch die Möglichkeit, Obstbäume und Beerensträucher, die keinen Besitzer mehr haben, abzuernten. Wo diese zu finden sind, sagt www.mundraub.org

Früchte und Gemüse, die nicht sofort verzehrt werden können, müssen konserviert werden. Dazu eignen sich das

  • Einsalzen, denn Salz entzieht Gemüse Feuchtigkeit und verhindert dadurch die Aktivität von Organismen, die das Lebensmittel verderben.
  • Trocknen, wobei Feuchtigkeit entzogen wird und die schädlichen Organismen funktionsunfähig werden. Entweder breitet man die Lebensmittel auf einem Blech im Ofen aus oder dörrt das Obst in einem eigenen Gerät.
  • Einlegen in Essig bewirkt, daß die Säure der Lebensmittel durch Hinzufügen von Essig erhöht wird. Sie brauchen dann nicht mehr so lange oder im Druckkochtopf gekocht werden, wie es bei ungesäuerten Lebensmitteln der Fall ist.  
  • Einwecken oder Eindosen tötet alle lebenden Organismen und Enzyme in den Lebensmitteln durch Hitze ab.
  • Konservieren durch Zucker bei der Marmeladen- und Geleeherstellung bewirkt mittels Hitze die Konservierung von Früchten mit einem relativ hohen Säuregehalt.
  • Einfrieren macht die für Lebensmittel schädlichen Organismen bei niedrigen Temperaturen funktionsunfähig. Sie werden durch das Einfrieren nicht unbedingt abgetötet, aber sie können sich nicht vermehren und auch ihr schädliches Gift nicht verbreiten.

Wie Sie Ihre Vorratswirtschaft am besten handhaben, steht unter anderem in John Seymours Buch "Selbstversorgung aus dem Garten", sozusagen der Klassiker aller Selbstversorger. Oder Sie gehen halt bei einem Selbstversorger in die Lehre. Einen solchen erkennen Sie daran, daß er je nach Größe entweder einem Rübezahl oder einem Rumpelstilzchen ähnelt, also etwa einem zweibeinigen Rauhhaardackel.

Nachdem selbst bei Florian Silbereisen in der TV-Sendung begeistert gehäkelt wird, wird Selbermachen immer beliebter. Hieß es früher: Spinnen am Morgen bringt Kummer und Sorgen (wenn man damit sein kärgliches Brot verdienen mußte), Spinnen am Abend, erquickend und labend (für die vornehme Gesellschaft), so ist das eigene Modelabel (Made by Heidi) schon fast ein Muß für young urban girls and women.

Baumwolle, Hanf, Leinen und Wolle lassen viel Raum für kreatives Werken: Stricken, Häkeln, Filzen, Nähen. Oft finden sich auch im Schrank lange gehortete und längst vergessene Schätze, die der Umarbeitung harren und endlich ihre zweite Chance wollen. Omas Leinentischdecke, die nie mehr verwendet wurde, Bettwäsche, Stoffbahnen, Baumwollgardinen, die der Gilb verschonte, die moderne "Göttin des Glücks" (so heißt auch ein Wiener Modelabel) kann alles verwenden. Mag der Teufel Prada tragen, Eva von heute schneidert selbst. Organisiert dann mit den Freundinnen Tauschpartys und hat gleich wieder etwas Neues.

Ach ja, tauschen. Sind Sie eigentlich schon Mitglied eines Tauschrings? Wenn Sie darunter allerdings "Tausche Mercedes gegen Bentley" verstehen, frage ich mich, weshalb Sie eigentlich bis hierher gelesen haben. Ihnen ist dann auch der Tip für Ckevere egal, weil zu popelig, daß sich alles das, was hier beschrieben wurde, gut für eine selbständige Tätigkeit eignet.

Dieser Text steht unter Creative Commons Lizenz, kann zu nichtkommerziellen Zwecken unverändert, in jeglicher Form, unbeschränkt weiterverbreitet werden. Einzige Einschränkung: Das Original-Urheberrecht www.der-clevere-Lebenskuenstler.de muß immer angegeben werden.

In Zusammenarbeit mit www.derknauserer.at.

Umbauarbeiten an der Bienenbeute

von Michaela Kohlbacher-Schneider E-Mail

Nachdem ich von den erfahrenen Bienenkisten-Imkern gerügt und getadelt worden bin, habe ich gestern, als es endlich wieder eine Regenpause gab Hand angelegt. Aber erst mal der Reihe nach:

Was hab ich falsch gemacht:

Einlaufen & 2. Schwarm

Dazu konnte mir bisher leider niemand was sagen, warum es nicht so richtig funktioniert hat. Ich hab zwar Tadel bekommen, ich dürfte die Bienen nicht gleich füttern, das habe ich aber eher als Motivation für den 2. Schwarm aufgefasst.

Als sie dann das 2. Mal ausgeschwärmt sind und ich sie von hinten in die aufgestellte Kiste gekippt habe, hätte ich die Einflugöffnung verstopfen und das Trennschied entfernen und damit erreichen sollen, dass, der Schwarm nicht im Honigraum bleibt, sondern bis in den Brutraum gelangt. War mir mit dem schnellen Einquartieren aber nicht möglich, da ich die Kiste, in der noch immer Bienen waren, nicht öffnen wollte um das Trennschied zu entnehmen (dann hätte ich sie gleich in die offene Kiste kippen können. Und aufmachen wollte ich sie nicht, da ich meinen kleinen Sohn mit 2,75 Jahren dabei hatte und irgendwie mit Kind und Schwarm zurecht kommen und es schnell gehen musste.

Einquartierung & erste Bauphase

Am Tag nach dem Fangen des 2. Schwarms hätte ich gleich nachsehen sollen, ob dier Schwarm inzwischen aus dem Honigraum in den Brutraum gezogen ist. Habe ich nicht, da wir Sauwetter hatten und ich die Wärme im Beinenstock nicht rauslassen wollte. Ein paar Tage später, als ich nachgesehen habe, war der Bien noch immer im Honigraum, hat mich aber zu wenig alarmiert.  Letztendlich bin ich dann 13 Tage nach dem Fangen des 2. Schwarms hinten nachgesehen habe, habe ich die ersten Waben gesehen, die etwa 30° abweichend zur Querachse gebaut waren. Diesmal konnte ich dann auch den Rest des Astes entfernen, der noch immer in der Kiste war. Man sieht am Boden ein paar Blattreste, die die Bienen fast alle bis forn an das Flugloch gebracht haben, und "Sägespäne", wobei ich mir nicht sicher bin, ob das alles Teile des Astes oder Wachsteilchen waren, vermutlich beides.

Als ich dieses Bild auf Facebook gepostet hatte, bekam ich auch schon die erste Schelte: "Hallo mich würde interessieren warum in der Kiste gar keine Anfangsleisten drin sind. Auf die Art und Weise ist es ja gar kein mobiler Stabilbau mehr, sondern halt nur noch eine Kiste!" - Klar, musste ja kommen. Die Anfangsstreifen waren im Brutraum und die Bienen bauten im Honigraum und auch das wurde beanstandet. Also nochmal die Anleitungen durchgelesen auf bienekiste.de und auf all das (wieder) drauf gekommen, was ich jetzt weiß, in der Hektik des 2. Schwarmes aber nicht bedacht hatte.

Umbauarbeiten

Erhard Maria Klein riet mir auch, ich sollte unbedingt das Trennschied raus holen und den Raum im Honigraum durch längsgeführte Trennschiede verengen, damit meine Damen vielleicht doch in den Brutraum übersiedeln. Also habe ich letzten Mittwoch, nachdem ich beim Verein beim Einquartieren der Königinnen in die Belegstellen-Apidea-Kästchen helfen durfte, zwei Längstrennschiede mit Winkeln gerichtet. Am Donnerstag, an dem ich diese einbauen wollte, regnete es in Strömen, also wurde dann gestern umgebaut.

Das Wetter war zwar auch nicht besonders, aber immerhin, die Bienen sind reichlich geflogen und somit hatte ich weniger Bedenken, die Kiste zu öffnen. Montag/Dienstag hatte ich das "Reck" gebaut, damit ich die Kiste vorn über kippen konnte. Natürlich habe ich sofort den Beweis bekommen, dass die Waben meiner Bienen kein Stabilbau waren, denn bereits nach dem Kippen der Kiste waren die Waben auch gekippt.

Das Trennschied ließ sich leicht entfernen und ich habe dann den Winkel eines Trennschieds noch kürzen müssen und auf den Einbau des 2. konnte ich bereits verzichten, da meine Bienen nicht mehr viel Platz für das Trennschied gelassen hatten. Was mir gar nicht gefiel, ist die schwarze Verfärbung, die in der letzten Woche an der Rückwand dazu gekommen ist, schätze mal, das kommt vom vielen Regen.

Danach habe ich den Boden sauber gemacht und die Kiste wieder verschlossen und zurück gekippt, so vorsichtig wie möglich. Anschließen habe ich versucht von vorn zu erkennen, ob eine den Waben zu Boden gefallen ist, es ließ sich aber nichts entdecken.

Die nächste halbe Stunde haben die Bienen, die sich während des Kippens auf dem Reck nieder gelassen haben, wieder in die Kiste verzogen und danach herrschte etwas Ruhe am Flugloch (im Vergleich zu vorher) wieder eine halbe bis dreiviertelte Stunde später wurde der Flugbetrieb aber wieder aufgenommen und auch Pollen eingetragen. Ich hoffe natürlich, dass der Schaden nicht zu groß ist, den ich angerichtet habe.

Was mich wieder mal positiv überrascht hat, war die Sanftmut meiner Bienen. Ich hatte mit mehr Empörung über die Störung gerechnet. Und ohne jetzt sorglos werden zu wollen, langsam schwindet auch die Angst vor Verteidigungsmaßnahmen oder dem Zorn der Bienen.

Abschließend haben mein Mann und ich die Dachkonstruktion geändert, damit mehr Gefälle das Wasser schneller ableitet.

Und wenn die allergische Imkerin gestochen wird?

Inzwischen kann ich auf stolze 3 Bienenstiche verweisen. Einen beim 1. Schwarmfangen, einen beim missglückten Einlaufen und einen beim Füllen der Apidea-Kästchen. Diesen habe ich am Mittelfinger innen, 1. Glied, Zeigefingerseitig bekommen. Ich hatte Zeit, in den ersten 5 Minuten eine Gabe Apis D30 zu nehmen und habe das dann am selben Tag noch 2mal wiederholt. Schmerz ja, Fieber nur wenig und kaum Schüttelfrost oder "Muskelkater-Erscheinungen"

Am nächsten Tag war die Hand stark angeschwollen, ich bekam den Tipp, Magnesium zu nehmen, was ich dann auch mehrfach getan habe. Ca. 24 Stunden nach dem Stich (Foto) erreichte die Schwellung und der Juckreiz seinen Höhepunkt um dann langsam abzunehmen. Ca. 50 Stunden nach dem Stich waren die Symptome auf "Normalmaß", also so wie bei einem Nicht-Allergiker.

 

Erich Rößler zur Nachhaltigkeit

von Michaela Kohlbacher-Schneider E-Mail

Erich Rößler ist langjähriger Permakultur-Designer, Schüler von Joe Polaischer und Marlies Ortner und Schöpfer und Besitzer eines wunderbaren Waldgartens in der Nähe von Feldkirchen in Kärnten.

Mehr zu Erichs Waldgarten

So seltsam es klingt, Nachhaltigkeit kann sowohl Segen, als auch Fluch bedeuten. Wegen ihrer nachhaltigen Zerstörung unserer Mutter Erde durch den Menschen reihen sich beispielsweise Seveso, Tschernobyl, Fukushima als nachhaltiger Fluch ein. Ebenso die Abholzung der Regenwälder, die monokulturelle Landbewirtschaftung, die Erderwärmung und die Abschmelzung der Eisberge und Pole als Folge des CO2-Anstieges, die meterdicken Ansammlungen von Plastikmüll in den Weltmeeren. Im Pazifik ist eine Plastikinsel auf die 16-fache Größe Österreichs angewachsen. Dies, obwohl gleichzeitig durch die Meeresbewegungen der schwimmende Müllberg laufend zermalmt wird und das Mahlgut sich laufend als Plastikschlamm am Meeresboden absetzt. Gibt es nicht sichtbaren Müllschlamm einfach im Meerwasser? Nachhaltig ein Fluch sind der rasante Grünlandverbrauch und der Artenschwund weltweit sowie ganz besonders die ungelöste Endlagerung der Brennstäbe von Kernkraftwerken, was tausende von Jahren beanspruchen wird, und vieles mehr. Die Liste, was alles zum nachhaltigen Flucht zählt, ist beängstigend lang!

Nachhaltigkeit im Sinne des Segens für die Mutter Erde ist aus meiner Sicht ein Lebensstil, der sich an den ökologischen Fußabdruck orientiert. Wenn die gesamte nutzbare Erdoberfläche auf alle Menschen gleichmäßig aufgeteilt wird, führt dies zu einem Durchschnittswert von 1,8 Hektar je Person. Der weltweite durchschnittliche Ökologische Fußabdruck beträgt derzeit 2,2 Hektar pro Person. Wir benutzen mehr Fläche, als wir zur Verfügung haben. In Österreich ist unser ökologischer Fußabdruck 3 mal so groß wie er global betrachtet, sein dürfte. Wir leben also auf zu "großem Fuß". Das Reduzieren unseres Fußabdruckes ist eine der wesentlichsten Voraussetzung für eine zukunftsfähige Welt. Möglichkeiten, dieses Ziel zu erreichen, sind vorhanden. Stellvertretend für viele Lösungsmöglichkeiten, folgender Film: www.youtube.com/watch?v=bLvpZAp13-8. Mit Permakultur (de.wikipedia.org/wiki/Permakultur) werden diese Ziele hoffentlich erreicht werden können. Wir Permakulturisten sind nicht die Letzten von gestern, sondern die Ersten von morgen.



Entscheidungshilfe für Politiker

von Michaela Kohlbacher-Schneider E-Mail

Offener Brief von Dr. Anita Lautemann an die Entscheidungsträger in der Politik:

Sehr geehrte Verantwortliche in der Österreichischen Politik,

das Thema „Neonicotinoide - Verbieten oder nicht“ ist derzeit in aller Munde und wird sehr heftig diskutiert.

Als Biologin, langjährige Imkerin und Bio-Bäuerin möchte ich Ihnen als Entscheidungshilfe einmal die Argumente und Fakten aus meiner Sicht darlegen.

Ich sehe diese Diskussion als großen Meilenstein, da hier „die EU“ einen großen Schritt in Richtung Ökologisierung der Landwirtschaft unternimmt, was sicherlich im Sinne der Allgemeinheit ist.

Das weltweite Bienensterben hat sicher mehrere Ursachen, aber ein enormer Faktor ist eindeutig der großflächige Einsatz von Pestiziden (nicht nur der Neonicotinoide) in der Landwirtschaft. Kein Industriebetrieb darf heute so enorme Mengen an mehr oder weniger gefährlichen Giften einfach in die Umwelt freisetzen wie die konventionelle Landwirtschaft, die dies noch dazu nicht punktuell sonder großflächig macht.

Bienengefährliche Neonicotinoide wurden in den letzten Jahren in großen Mengen in der landwirtschaftlichen Produktion eingesetzt, sind aber auch in sogenannten „Hobbygarten-Produkten“ enthalten, wobei bei letzterem der Einfluss auf die Bienenpopulation sicher begrenzt ist. Der Haupteinsatz ist derzeit als Saatgutbeizmittel, wobei die Samenkörner mit dem Wirkstoff umhüllt werden und die Substanzen beim Wachstum in den Kreislauf der Pflanzen aufgenommen werden und in der Folge in der ganzen Pflanze vorhanden sind.

 

Wirksamkeit:

Die Substanzen sind gegen Insekten so wirksam, dass es reicht, z.B. ein Maiskorn mit dem Wirkstoff zu umhüllen und in der Folge ist die gesamte Maispflanze, die immerhin etwa 3 m hoch wird, Monate später noch so giftig, dass jedes Insekt, das an dieser Pflanze saugt oder frisst, abstirbt! Da auch der Blütenpollen bzw. Nektar von der Pflanze produziert wird, enthält auch dieser noch ausreichende Giftmengen, um blütenbesuchende Insekten wie die Bienen zu töten.

Gegen welche Schadorganismen werden die Neonicotinoide verwendet?

Maiswurzelbohrer

Die ersten großflächigen Anwendungen dieser Substanzen erfolgte in Zuge der Einwanderung des Maiswurzelbohrers (Diabrotica sp.) in Österreich ungefähr ab dem Jahr 2002. Da die Entwicklung dieses gefährlichen Schädlings mehrjährig ist, kann er sich ausschließlich in Monokulturen ohne Fruchtfolge so massiv vermehren, dass es zu eindeutigen Schäden kommt. Obwohl in Österreich vorbeugend großflächig der Mais mit den Insektiziden gebeizt wurde, konnte die Einwanderung des Maiswurzelbohrers in Europa nirgends aufgehalten werden. Mittlerweile ist auch den Verantwortlichen der Landwirtschaft klar geworden, dass die Schäden langfristig nur durch die Einhaltung einer Fruchtfolge in Grenzen gehalten werden können.

Drahtwurm

Es haben sich die Neonicotinoide aber auch als sehr wirksam gegenüber dem Drahtwurm (Larven des Schnellkäfers) erwiesen, der vor allem in Grünlandgebieten vorkommt. Daher hat sich die Anwendung der Neonicotinoide heute weg von den Körnermaisanbaugebieten hin zu Ackerflächen in Grünlandgebieten verlagert. Dies bringt aber verstärkt Bienenschäden mit sich, da sich dort durch eher kleinräumigere Strukturierung blühende Grünlandflächen, Naturflächen mit Mais-, Getreidefeldern bzw. Kürbiskulturen abwechseln und dadurch die nachfolgenden Probleme verstärkt werden.

Blattläuse

Auch Blattläuse können mit neonicotinoiden Beizmitteln bekämpft werden. Dies geschieht in letzter Zeit verstärkt im Getreidebau, da Blattläuse Viren übertragen können. Die Grundproblematik besteht aber darin, dass in der Landwirtschaft immer mehr empfindliche Höchstleistungssorten mit hohen Stickstoffgaben (Kunstdünger) kultiviert werden, die dann aber auch anfälliger für Krankheiten sind.

Auch der von den Saatgutfirmen und den Landwirtschaftskammern massiv betriebene Werbedruck jedes Jahr höhere Erträge / Hektar erwirtschaften zu müssen trägt dazu bei, dass Landwirte nicht mehr bereit sind auch nur das geringste Risiko eines Schädlings- bzw. Unkrautdruckes zuzulassen. Aber das unendliche Wachstum gibt es in der Wirtschaft nicht und schon gar nicht in der Landwirtschaft.

 

Wie kommen die Bienen bzw. Wildinsekten in Kontakt mit den Neonicotinoiden?

 

  • Stäube bei der Aussaat:
    Durch das Hantieren mit den Saatgutsäcken und in den Sämaschinen werden die Chemikalien mechanisch abgerieben und in Form von Staub in der Umwelt verteilt. Früher wurden diese Stäube in die Luft geblasen und mit dem Wind auf angrenzende blühende Kulturen verweht, wo sie von den Bienen aufgenommen wurden, und z.B. in Deutschland 2008 viele tausend Bienenvölker das Leben gekostet haben. Diese Folge sollte durch einen Umbau der Sägeräte verhindert werden, sodass heute alle Sägeräte so umgebaut sind, dass die Abluft in Richtung Boden geblasen wird. Wissenschaftliche Untersuchungen wie das Forschungsprojekt APENET, Italien haben aber gezeigt, dass dies keinen Erfolg bewirkt. Die giftigen Stäube werden mit der nächsten Windböe gemeinsam mit dem Erdstaub in die Luft gewirbelt und trotzdem wieder in die Gegend verteilt. Da der Boden nach der Aussaat einige Wochen kahl bleibt und zudem vor allem im Frühjahr zur Zeit der Maisaussaat in manchen Regionen starker Wind herrscht, sind hier Verwehungen unvermeidlich.
    Gesetzliche Auflagen erlauben auch eine Aussaat von neonicotinoid-gebeiztem Saatgut nur unter einer Windgeschwindigkeit von 5m/sec. Die meteorologischen Daten in der Melissa-Studie der AGES haben eindeutig gezeigt, dass in den meisten Jahren und in vielen Regionen eine gesetzeskonforme Aussaat nur an wenigen Tagen möglich ist (Melissa Abschlußbericht, AGES, Kap. 4.2.7.3, S 154-157) und belegen auch den Zusammenhang zwischen Anzahl der Schadensfälle und erhöhter Windgeschwindigkeit.
    Auch die AGES-Studie zeigt eindeutig, dass der Umbau der Sägeräte keine Wirkung gezeigt hat, sondern die Schadensfälle noch leicht angestiegen sind.

  • Niederschlagswasser auf den Feldern:
    Bienenvölker benötigen vor allem im Frühjahr größere Mengen an Trinkwasser und Wasser zur Regulierung des Stockklimas. Sie nehmen Wasser vor allem dort auf, wo dies mineralstoffhältig und warm ist, dies ist sehr häufig bei Niederschlägen auf Ackerflächen der Fall, wo sich leicht Pfützen bilden. Da sich am Ackerboden auch noch die abgeblasenen Neonicotinoidstäube befinden, verenden diese Bienen sehr rasch am Feld.

  • Guttationswasser
    Viele junge Pflanzen, auch der Mais geben über die Blattoberfläche das sogenannte „Guttationswasser“ ab, auch dieses wird von den Insekten gerne als „Tränke“ angenommen, ist aber im Fall von neonicotinoiden Beizmittel absolut tödlich.

  • Pollen und Nektar
    Auch Pollen und Nektar der Pflanzen, die aus behandeltem Saatgut gewachsen sind, sind noch giftig. Dabei sterben Bienen die Nektar sammeln meist bereits außerhalb des Bienenstockes ab, weil der Nektar von den Bienen im Honigmagen im Inneren des Körpers transportiert wird und dabei die Giftstoffe sofort aufgenommen werden.
    Pollen wird in Form von Pollenhöschen an den Beinen heimtransportiert, daher wird die Sammelbiene in der Regel nicht vergiftet und gelangt noch in den Bienenstock. In weiterer Folge wird der Pollen aber von den Bienen gefressen und an die Brut verfüttert, wo dann die Wirkung verzögert eintritt.

Wirkung der Neonicotinoide auf die Bienen und andere Insekten:

  • Es handelt sich um Nervengifte, die sich an Nervenrezeptoren binden und meist zum sofortigen Tod führen. Da die Bindung an den Nervenrezeptor irreversibel ist, ist auch keine Erholung eines schwächer betroffenen Insekts mehr möglich.

  • Subletale Effekte:
    Ist die Dosis für ein sofortiges Absterben zu gering, kommt es dennoch zu subletalen Effekten. Die Bienen verlieren ihre Orientierung – finden nicht mehr in den Bienenstock zurück und verenden. Wissenschaftliche Untersuchungen haben auch eine deutlich verringerte Lernfähigkeit gezeigt, die aber für Bienen als soziale Lebewesen enorm wichtig ist.
    Auch ist bewiesen, dass betroffene Bienenvölker nicht mehr in der Lage sind, die Temperatur im Brutnest (bis zu 2°C niedrigere Temperatur) zu regeln, was die Entwicklung der Bienen negativ beeinflusst, Parasiten wie die Varroamilbe aber begünstigt.

  • Immunsystem:
    Studien haben ebenfalls eindeutig bewiesen, dass Neonicotinoide das Immunsystem von Insekten schwächen. Die Folge ist, dass die Bienen mit Viren (es gibt eine große Anzahl von Bienenviren, die ganz natürlich in den Völkern vorkommen, ohne zu größeren Schäden zu führen) und Darmpilzen (Nosema sp.) nicht mehr zurande kommen und die Völker daran zugrunde gehen. Die Studien haben ergeben, dass bereits Konzentrationen unter unseren technischen Nachweisgrenzen diese Störung des Immunsystemes bzw. Nervenschäden hervorrufen.

 

 

Abbaubarkeit der Neonicotinoide:

 

Vom Hersteller (Bayer) werden für die Neonicotinoide Halbwertszeiten (nicht Abbauzeit!) von ca. 150 Tagen angegeben. Unabhängige Studien (USA) haben aber unter mit Österreich durchaus vergleichbaren klimatischen Bedingungen Abbauzeiten von bis zu 1000 Tagen HWZ ergeben. Da auch in Österreich der Boden über mehrere Monate lang gefroren ist und in dieser Zeit sicher kein Abbau erfolgt, liegen wir sicher deutlich über den 150 Tagen, wobei aber auch mit 150 Tagen nach einem Jahr immer noch 25% der Substanzen im Boden sind und daher bei neuerlicher Anwendung im Folgejahr eine Anreicherung unvermeidlich ist.

Die lange Abbauzeit bewirkt aber unter anderem, dass auch bei einem sofortigen Totalverbot der Neonicotinoide, es noch viele Jahre dauern wird, bis die Substanzen aus unseren Böden und Pflanzen verschwinden und sich die Insektenwelt wieder erholen kann.


Problematik mit blühenden Nachfolgekulturen:

Vor allem nach Getreide wird oft Ackersenf als Begrünung und Zwischenfrucht angebaut. Ackersenf ist für Bienen sehr attraktiv und blüht von August bis Oktober, wo die Bienen kaum andere Blütenpflanzen vorfinden. Wird Ackersenf (oder eine andere blühende Kultur, auch Unkraut) nach einer neonicotinoid-gebeizten Kultur angebaut, so nehmen auch diese Pflanzen noch hohe Mengen an Gift auf (wörtlich in einer Bayer-Aussendung, Okt. 2012: „die Rückstände der Blüten von Folgekulturen stets geringer oder allenfalls vergleichbar sind wie bei direkt gebeizten Kulturen“).

Auch die Herstellerfirma „Bayer“ bestätigt, dass Pollen und Nektar der Pflanzen giftig sind (wörtlich Bayer-Aussendung, Okt. 2012: „ In Blüten sowie in Nektar und Pollen solcher Pflanzen tauchen allenfalls noch Spuren der Substanzen auf, in der Regel ist die Rückstandskonzentration dort unter 5 µg/kg.“ )

Eine Biene nimmt bei einem Ausflug eine Nektarmenge von etwa 60 µl = 60 mg auf, berechnet man mit dieser Menge und den von „Bayer“ angegebenen Rückstände im Nektar, so erreicht man bereits die Menge des LD50-Wertes von 3,7 ng/Biene (Clothiadinin, Imidacloprid) - Daten aus „Existing Scientific Evidence of the Effects of Neonicotinoid Pesticides on Bees“, Dez.2012, Studie im Auftrag der EU!

Dabei ist noch nicht berücksichtigt, dass der Nektar im Stock bis zum 10-fachen eingedickt wird und das bereits weit unter dem LD50-Wert subletale Effekte auftreten (beim LD50-Wert stirbt die Hälfte der Versuchtiere)!

Bienen die im Ackersenf mit Neonicotinoiden in Kontakt gekommen sind, sterben meist im Spätherbst und Winter ab, es wird daher häufig erst im Frühjahr bemerkt. Die Unterscheidung zu herkömmlichen Ausfällen durch Varroabefall ist schwierig.

Das EU-Verbot der Neonicotinoide bezieht sich allerdings nicht auf Getreide, sondern nur auf von Bienen angeflogenen Kulturen! Aus oben angeführten Gründen ist daher nur ein generelles Verbot der Gruppe der bienengefährlichen Neonicotinoide in Österreich sinnvoll und kann zum Erfolg erführen.

Aufgrund der Fruchtfolgemaßnahmen ist auch mit einem Anstieg des Getreidebaues als Alternative zum Mais zu rechnen, daher wäre ein Teilverbot nur eine Verschiebung des Problems.


Wissenschaftliche Studien

Anders als behauptet gibt es bereits zahlreiche fundierte Studien zur Wirksamkeit der Neonicotinoide auf Bienen (allerdings kaum aus Österreich). So gut wie alle Studien bestätigen die massive Schädlichkeit.

Auch die Österreichischen AGES-Studien kommen zum gleichen Ergebnis:

Projekt Melissa 2009 – 2012:

Es wurde ein eindeutiger Zusammenhang der Bienenschäden mit Beizmitteln gefunden, zwischen 50 und über 90% der Proben waren positiv. Durch die Darstellung mit einer 100%-Skala scheinen die Fälle rückläufig zu sein, betrachtet man aber die Zahlen genauer, so ist zwischen 2009 und 2011 ein deutlicher Anstieg der Fälle zu sehen (nicht wie von Ministerium und Landwirtschaftkammer Österreich behaupteter Rückgang)!

 

Die rosa Striche bezeichnen die positiven Proben (aus Melissa-Studie)

Besonders besorgniserregend waren aber die Ergebnisse der Monitoring-Völker (dies waren Völker ohne Vergiftungsverdacht) – auch bei diesen konnten in zwischen 30 und über 60% der Proben Neonicotinoide nachgewiesen werden! Dies zeigt, wie weit diese Substanzen bereits in der Umwelt vorhanden sind und dass die Bienenvölker nicht nur akut sondern auch chronisch belastet sind. Trotz (oder wegen?) dieses erschütternden Ergebnisses wurde ab 2012 nicht mehr untersucht?!

In einem in der Studie untersuchten Bienenvolk wurden sogar 24 verschiedene (z.T. sogar verbotene) Pflanzenschutzmittel im Blütenpollen nachgewiesen werden. Auch wenn es sich nicht bei allen Substanzen um Insektizide handelt, verwundert es nicht, dass Bienenvölker (und auch andere Insekten und Tiere) unter solchen Umweltbedingungen nicht mehr überleben können.


Warum melden die Imker relativ wenige Fälle?

  • Da die meisten Bienen bereits außerhalb des Bienenstockes, also irgendwo im Gelände absterben, sind die Schäden für den Imker schwer zu erkennen. Bienenvölker werden nicht täglich, sondern im Abstand von 2 – 3 Wochen bearbeitet, der Verlust von Flugbienen fällt nur durch eine schlechte Volksentwicklung auf. Die Fälle, wo ganze Völker absterben sind eher selten. Da einzelne Bienenvölker eines Standortes durchaus verschiedene Nahrungsquellen anfliegen, sind auch nicht immer alle Völker gleichzeitig betroffen.
    Trotzdem entstehen dem Imker auch finanzielle Schäden durch geminderte Honigerträge. Auch die heute so wichtige Bildung von Jungvölkern zur Ergänzung des Bienenbestandes wird erschwert.

  • Für eine Untersuchung auf Rückstände von Neonicotinoiden ist eine relativ große Menge von Probenmaterial notwendig. Dadurch, dass die toten Bienen aber nicht gefunden werden, ist eine Untersuchung meist nicht möglich, das wird den Imkern auch bereits bei der Meldung telefonisch mitgeteilt.

  • Viele Imker sind bereits frustriert, weil sie über mehrere Jahre die gleichen Schäden haben, die sie auch gemeldet haben, es ändert sich aber nichts.

  • Auch wenn die Schäden eindeutig nachgewiesen werden, enthält kein Imker einen Schadenersatz!

  • Es ist nicht genügend Geld vorhanden, um alle Fälle untersuchen zu können, eine vom Imker selbst initiierte Untersuchung muss ohne Möglichkeit des Kostenersatzes (mehrere 100 Euro) vom Imker selbst finanziert werden.

  • Die offiziellen Untersuchungen erfolgen ausschließlich durch die AGES, viele Imker haben aber kein Vertrauen mehr in diese Institution.

 

Im Übrigen ist die AGES dem Ministerium unterstellt und die Untersuchungsberichte werden lange zurückgehalten (Studie Bienenmonitoring 2012: im September fertig – Veröffentlichung ca. am 21. Dezember, dazwischen Warten auf Genehmigung durch das Ministerium).

Der betroffene Imker erhält zwar nach der Veröffentlichung schriftliche Ergebnisse, diese dürfen aber nicht verwendet werden: wörtlich „eine Nutzung der Ergebnisse auf welche Art auch immer (Veröffentlichung, Verwertung von Ergebnissen etc.) seitens Dritter nicht gestattet ist. Das Nutzungsrecht steht ausschließlich der Auftraggeberin (Republik Österreich) und der Auftragnehmerin (AGES) zu.“ – dieser Absatz steht auf jedem Befund und stellt meines Erachtens eine Einschüchterung dar. Immerhin entstammen die Daten einer offiziellen, durch Steuergeld bezahlten Studie!

Die Fruchtfolge löst die Imkerprobleme nicht

Zur Minderung des Neonicotinoideinsatzes wurde die Fruchtfolgeregelung beschlossen, die vorschreibt, dass auf der gleichen Fläche in 4 Jahren nur 3x Mais angebaut werden darf. Dabei darf im ersten Jahr Maissaatgut nicht gegen den Maiswurzelbohrer gebeizt werden, wenn eine für diesen Schädling nicht attraktive Vorfrucht gepflanzt wurde. Sehrwohl dürfen Neonicotinoide gegen andere Schädlinge wie den Drahtwurm bzw. Blattläuse im Getreide verwendet werden.

Fazit: es dürfen in allen 4 Jahren Neonicotinoide ausgebracht werden.

Geplante EU-Maßnahmen

Die in der EU geplanten Maßnahmen (zu denen sich Österreich nun doch durchringen konnte) sehen nur ein zeitlich begrenztes Teilverbot der bienengefährlichen Neonicotinoide vor! Es bezieht sich nur auf für Bienen attraktive Kulturen, nicht aber auf Getreide. Dies ist zwar begrüßenswert, aber zu wenig, um die Bienen und alle anderen Insekten (darunter auch viele Nützlinge) zu schützen.

Dass Neonicotinoide massiv am Bienensterben beteiligt sind, ist wohl unbestritten. Um diese Situation nachhaltig zu verbessern, ist ein TOTALVERBOT über mehrere Jahre unumgänglich.

Aufgrund des langsamen Abbaues der Gifte in der Umwelt und auch in den Bienenstöcken wird es vermutlich 3 – 4 Jahre dauern, bis eine Verbesserung der Situation auch statistisch zu beobachten ist.

Die Honigbienen und ihren Rückgang können wir gut beobachten, da sie in menschlicher Obhut leben. Außer ihnen sind aber auch alle anderen Insekten wie Käfer, Schmetterlinge, Hummeln, etc. betroffen, um die sich kaum jemand kümmert.

Dass eine Landwirtschaft auch ohne Pestizide möglich ist, zeigen rund 20% der bäuerlichen Betriebe (auch rund 20% der landwirtschaftlichen Nutzfläche), die auf den biologischen Landbau setzen. Auch sehr viele konventionelle Betriebe kommen ohne Neonicotinoide aus, und wenn man die Zahlen hernimmt, die von den Landwirtschaftskammern verbreitet werden, dass z.B. nur 5% der Flächen mit neonicotinoid-gebeiztem Saatgut bepflanzt werden, kann ja das Verbot keine gravierenden wirtschaftlichen Auswirkungen haben.

Der öffentliche Aufruhr der letzten Wochen zeigt auch eindeutig, dass es sich nicht nur um ein Problem der Imkerschaft handelt, sondern dass bereits sehr große Teile der Bevölkerung es nicht mehr tolerieren, dass die gesamte Umwelt großflächig durch Pestizide vergiftet wird.

Letztendlich landet fast alles, was auf unseren Feldern kultiviert wird im menschlichen Körper - wir sind die Spitze der Nahrungskette. Dass die zunehmende Pestizidbelastung unserer Nahrung (natürlich immer unter den Grenzwerten) der Gesundheit der Bevölkerung nicht zuträglich ist, zeigen auch bereits genügend Studien, die Neonicotinoide bilden hier keine Ausnahme. Wissenschaftliche Arbeiten geben auch Hinweise, dass sie für die Zunahme an der steigenden Anzahl von Nervenerkrankungen (Parkinson, Autismus, etc.) verantwortlich sind.

In diesem Sinne ersuche ich Sie, in der kommenden Abstimmung über eine österreichische Lösung für ein TOTALVERBOT aller bienengefährlichen NEONICOTINOIDE zu stimmen.


Hoffentlich: Zweifelsfrei für unsere Bienen!

Dr. Anita Lautemann

... und nochmal ... zum Üben

von Michaela Kohlbacher-Schneider E-Mail

Heute gegen 16:00 war ich wieder im Garten, nach den Bienen sehen. Liam ist auf der Fahrt in den Garten eingeschlafen.

Ich räume also das Auto aus, bringe die Abfalleimer auf ihren Platz und wundere mich, dass auch heute, trotz schönem wetter wenig Flugverkehr am Flugloch herrscht. Als ich den letzten Eimer zur Sommerküche bringe, weiß ich dann auch warum, denn auf unserem Mini-Apfelbaum sitzen sie, die unsteten Damen. Also eine gute und eine schlechte Nachricht: die gute, die Königin hat die Einquartierung am Samstag überlebt - und die schlechte, es gefällt ihr offenbar nicht so gut, dass sie bleiben möchte ...

Nach einem Telefonat mit Anita - ich war mir nicht sicher, ob nicht doch noch ein weiterer Schwarm gekommen war (Bestellungen beim Universum sollen ja funktionieren) - war klar, ich muss sie noch mal einfangen. Der Scharm sitzt auf einem Ast des Apfelbaumes, dessen Ende opfere ich gern für die Bienen. Ein Teil des Schwarms sitzt am Boden darunter, der das Gewicht drückt den Ast bis zum Boden. Also schneide ich eine Astgabe der Winterweidenschnitts zu recht um den Ast zu stützen. Inzwischen ist Liam aufgewacht und brüllt im Auto. Ich stelle schnell die Astgabel unter den Ast mit dem Schwarm und schaue nach dem Schreihals.

Die übernächste Nachbarin rückt gerade mit ihrem Enkel an, der "das Baby schreien" gehört hat. Netterweise erklärt sie sich bereit, auf Liam zu schauen, bis ich den Schwarm wieder eingefangen habe. Ich hole also den Eimer, den Besen, die Wasserspritze, ein Geschirrtuch und die Astschere. Eimer unter den Schwarm, Ast abgezwickt, in den Eimer fallen gelassen. Geschirrtuch drauf und hinauf zur Bienenkiste. Dach abnehmen, Futter aus dem Honigraum nehemen, wieder sind Bienen in der Zuckerlösung ertrunken, trotz Brettchen. Kiste Kippen, den Schwarm rein kippen. Doch der hängt zum Teil schon wieder am Tuch, also Tuch zur Seite und einmal den Inhalt des Eimers samt Ast in die Kiste kippen. Die Damen vom Tuch in den Eimer kehren, die Aus den Ytong-Steinen, die vom Tuch gefallen sind, Stein für Stein in den Eimer stoßen und den Eimer wieder in die Kiste hinten rein, inzwischen ohne Kippen. Noch zwei mal zum Apfelbaum und die Reste einsammeln, ein paar bleiben am Boden und ein paar am Stützstock, aber am Flugbrett stehen schon welche und sterzeln.

Inzwischen will Liam auch zurück zu mir und damit muss ich die letzten Reste allein heim finden lassen. Hoffentlich bleiben sie jetzt da!

Hoffnung besteht

von Michaela Kohlbacher-Schneider E-Mail

Nach dem schwierigen Samstag, gab es heute einen frühen Sonntag ...

Um 5:19 war heute Sonennaufgang und ich bereits bei den Bienen. Nur die Sonne wollte sich nicht zeigen, aber mir war es auch so recht. Die Bienen am Tuch saßen noch dort und einige am Frontbrett und wieder andere am Boden. Ich habe sie so gut es ging mit Eimer und Besen zusammen gesammelt und hinten, über den Honigraum in die Kiste geleert. Ein paar blieben noch immer am Tuch, aber sonst habe ich sie ganz gut erwischt. In der Kiste hat es leise gesummt.

Anschließend habe ich die Opfer aus der Futterschale gefischt und die Holzstücke nochmal überprüft. Die toten Bienen in Zuckersaft habe ich nach Hause mitgenommen und hier über die Bio-Tonne entsorgt. Im Garten habe ich mich das nicht getraut, ich will ja niemanden anlocken, der sich über süße Bienen freuen würde.

Dann bin ich wieder heimgefahren und hab mich noch ein Stündchen aufs Ohr gelegt.

Am Nachmittag gegen 14:30 war ich wieder im Garten - bang, aber ich wurde positiv überrascht. Alle Bienen, die ich in der Früh noch nicht erwischt hatte, waren inzwischen weg, ein paar Tote lagen unter dem Flugbrett am Boden. Etwas Flugverkehr am Flugloch, mehr davon rund um die Kiste. Nicht überragend viel, aber es fing gerade an zu regenen und es donnerte. Dafür haben sie mich schon bemerkt als ich noch etwa 4 Meter von der Kiste entfernt war und sie haben mir klar zu verstehen gegeben, dass ich nicht erwünscht bin. Zwar hatte ich anderes Gewand an als gestern, aber der Schleier war noch der selbe und roch auch noch immer gleich wie gestern.

Also habe ich das Tuch eingesammelt und die Damen dann in Ruhe gelassen. Im Garten hat es gesummt, ganz anders als sonst. Und sie behaupten ihr Revier - hoffentlich sind sie nicht all zu lange nachtragend.

 

Das Gegenteil von gut gemeint ...

von Michaela Kohlbacher-Schneider E-Mail

Ja, heute war es dann so weit...

Nachdem ich gestern Abend den Schwarm in der Schwarmkiste noch in den Keller gestellt hatte, habe ich heute morgen erstmal Futter für ihn besorgt, damit er am Nachmittag, wenn der Regen aufhören sollte, in den Stock nicht völlig entkräftet einlaufen muss.

Am Nachmittag gegen 14:30 habe ich dann alles hergerichtet, Tuch vor der Kiste montiert, in den Honigraum Futter hinein gestellt und die Bienen aus der Schwarmkiste auf das Tuch geschüttet und los ging es, allerdings nicht ganz so schnell wie ich es erhofft hatte.

Laut den Anleitungen habe ich gerade mal einen Schöpfer voll Bienen hinauf zum Einflugloch geschöpft und dann gewartet. Langsam haben sich auch die ersten auf den Weg gemacht und tätsächlich sind auch einige in der Kiste verschwunden.

Als nach anderthalb Stunden die Situation noch immer annähernd die selbe war, haben mein Mann und meine Kinder die Schwarmkiste zurück gebracht. Natürlich konnte ich beobachten, wie die Bienen langsam höher wanderten, so 2 bis 3 cm in 10 Minuten, aber wirklich erquicklich war es nicht.

Als der Rest der Familie wieder zurück kam, wartete ich noch immer auf den vollständigen Einzug. Also habe ich die andern mal Heim geschickt, ich würde mich melden, wenn ich fertig zum Abholen sei. Spätestens jetzt wünschte ich mir, ich hätte Anitas Rat, sie doch einfach in die Kiste zu kippen, befolgt, aber nun war die Sache einmal anders. Also habe ich mit dem Schöpfer etwas nachgeholfen, etwa die Hälfte des Schwarms, der noch auf dem Tuch war, habe ich so nach und nach vor den Eingang geschöpft, als ich dann bemerkte, dass neben der anderen Hälfte auf dem Tuch auch noch eine eben so große unter dem Tuch hing.

Jetzt noch das Ganze in die Kiste zu kippen erschien mir unmöglich. Aber ein Telefonat um 20:00 mit Christine ergab dann, dass genau das zu tun sei. Also, hinten den Honigraum geöffnet und das Futter wieder raus, die mögliche Erklärung für den zögerlichen Einzug gefunden ... das Holz im Flüssigfutter war zu klein und eine nicht zu vernachlässigende Anzahl von Bienen im sprichwörtlichen Schlaraffenland ertrunken. Ich war verzweifelt. wollte ich doch nur das beste, gab ihnen gleich eine volle Speisekammer, damit das neue Heim wirklich attraktiv wäre und dann das .... Eimer geholt, unter die Schwarmtraube. Tuch abgeklopft, gut, das meiste war im Eimer, ein Teil auf einem untergelegten Brett, einige am Boden. Unnötig zu sagen, das meine Bienen mich inzwischen mindestens als Störefried empfanden, wenn nicht schon leichter Haß in ihnen aufstieg. Nun Tuch dazu in den Eimer, denn noch immer saßen genug Bienen auch auf dem Tuch. Kiste umgedreht, Boden abgenommen. In der rechten Ecke vor dem Trennschied hatte sich eine Traube gebildet, ich war ein wenig beruhigt, doch schon ein guter Teil des Schwarmes in der Kiste. Den Eimer in die Kiste in den Brutraum gestoßen, ebenso das Brett, und dann das Tuch ... das auszubeuteln war alles andere als fein, jetzt haßten mich meine Bienen wirklich. Vor allem die eine, die unter meinen Schleier geraten war. Das ist so eine Sache, zuerst glaubt man ja, dass sie draußen ist, so wie die andern, doch dann ... Michi saust weg aus der Bienenwolke, Schleier runter, sie hängt in meinen Haaren fest, irgendwie schaffe ich es sie samt einem Tschippel Haare los zu werden. Nachdem ich gestern schon gestochen wurde und mir den ganzen Abend blümerant war, wollte ich das heute nicht unbedingt wiederholen.

Also, Schleier nach mehreren Versuchen ohne weitere Biene innen wieder aufgesetzt und zurück zur Kiste, nochmal das Tuch abgeklopft und den Deckel, so vorsichtig und so wenig panisch wie möglich wieder auf die Kiste. Kiste umgedreht, Mäuseschutz wieder eingeschoben, Kiste eingerichtet und das Futter, diesmal mit größeren Hölzern als Rampen wieder in den Honigraum gestellt. Das angefangene Apifondant ebenfalls dazu. Kiste wieder zugedeckt und das Tuch über den Zwetschkenbaum gebreitet. Utensilien zusammanklaube und verstauen, nachsehen, wie viele noch heraußen sind: die paar am Boden, drei kleinere Häufchen am Frontbrett und eine etwa Handteller große Fläche hat sich wieder gesammelt auf dem Tuch im Zwetschkenebaum neben der Kiste. Einige Verluste, natürlich habe ich ein paar zerquetscht, ein paar sind bereits am Tuch beim Einmarschieren gestorben, vermutlich hat es zu lange gedauert und ein paar beim Umdrehen der Kiste, nicht zu vergessen, die im Futter ertränkten und die, die ihr Leben bei der tapferen Verteidigung und dem Stechen in meine Kleidung gelassen haben. Ich fühle mich, als wär ich der Umweltminister ...

Was habe ich gelernt und kann es weiter geben, für alle anderen Schwarmfänger:

1. Sagt eine erfahrene Imkerin "Kipp sie aus der Schwarmkiste direkt in die Bienenkiste", dann mache ich es, ohne der romantischen Vorstellung vom artgerechten Einzug in die Kiste noch eine Träne nachzuweinen, denn das letztendliche dann doch Kippen war für die Bienen und mich schlicht Streß pur.

2. Holzklötzchen im Futter müssen wirklich Floß- oder besser noch Rampencharakter haben, sonst lass das flüssige Futter besser weg.

3. Bienen können sauer sein und sie stechen dich dann dorthin, wo du es verdient hast ... in den Hintern! Das tut zwar nicht sonderlich weh, aber dafür schwillt jetzt mein Stich von gestern zu beachtlicher Größe an.

Warum erzähle ich das so ausführlich und breite nicht den Mantel des Schweigens darüber? Macht es besser als ich, kippt den Schwarm einfach rein! Denn ich darf morgen früh wieder raus und schauen, ob sich alle meine zu Recht beleidigten Bienen nun doch in die Kiste einquartiert haben. Und vielleicht hat ja der Schutzheilige der Bienen und Imker, der heilige Ambrosius ... und das bei mir als Agnostikerin ... seine waches Auge auf mein Völkchen und seine Königin gehabt und ich habe sie trotz gut gemeintem aber falschem Handeln heute nicht verloren.

Beinenschwarm fangen

von Michaela Kohlbacher-Schneider E-Mail

Früher als erwartet hat mich heute Anita Lautemann gegen 11:30 angerufen und mir verkündet, unsere Bienen sind bereits geschwärmt und hängen "draußen auf dem Ast". Als Jungimker hatte ich gar keine Ahnung, was das nun wirklich bedeutet, hab natürlich sofort meine Einkaufstour abgebrochen und bin heim gestaut.

Wir haben vereinbart, um 15:00 holen wir den Schwarm. 3 aufregende Stunden, habe ja schließlich keine praktische Erfahrung, was das nun bedeutet. Als wir um 15:00 Uhr am Biohof Lautemann ankommen, beginnt es gerade ein wenig unmotiviert vor sich hin zu tröpfeln, aber das Wetter hat Erbarmen und belässt es bei ein paar Tropfen pro Minute.

Mit Schleier, Wassereimer, Spritze und einem Eimer an einer langen Stange (ähnlich einem Apfelpflücker - nur größer) geht es durch kniehohe Brenn- und Taubnessel in den Obsgarten zum Zwetschkenbaum. Und dort hängt er, oder besser, dort hängen sie, die beiden. Ich bin etwas verwundert, aber Anita klärt mich auf, dass es vermutlich einen Zwischenfall mit der alten Königin gegeben hat (verloren gegangen) und nun zwei Jungköniginnen ausgeschwärmt sind. Das würde aber nichts machen, wir würden versuchen, beide zu fangen und die beiden würden sich das dann schon ausmachen - es kann nur eine geben, die dann auf Hochzeitsflug geht. Natürlich ist bei dem Flug dann auch das Risiko dabei, dass sie verloren geht, aber wir hoffen das beste und im schlimmsten Fall, müsste man halt die Königin nachbesetzen.

Also stoßen wir einmal die längliche Traube in den Eimer und ab damit in die Schwarmkiste. Dann kommt der größere Teil an der Astgabel an die Reihe. Tatsächlich ist es eine ziemlich langwierige Angelegenheit, von wegen klopfen und der Schwarm fällt in den Eimer und fertig ...

Wir klopfen und sprühen, das heißt, Anita sprüht und klopft, mir fällt der Part zu, den Eimer unter zuhalten und auch mal mit dem Eimer nach oben zu stoßen. Die Bienen in der Schwarmkiste zusammenzustoßen, Schwarmkiste zu öffnen und den Eimerinhalt hinein zu stoßen. Letztendlich knicken wir zwei Ästchen ab, an denen die Reste der länglichen Traube hängen und geben sie in die Kiste. Als beim Einfüllen abgekehrter Bienen mehr Bienen wieder auffliegen, als dazukommen, brechen wir die Aktion ab und lassen es gut sein.

Ein kleiner Schwarm, aber immerhin. wir verladen die Schwarmkiste im Kofferaum und kehren die restlichen Bienen außen ab und raus aus dem Auto. Ich verschließe das Auto und wir warten noch, inzwischen ist Liam aufgewacht und bestaunt mit seiner Schwester und deren Freundin die Kücken im Kückenstall samt Wärmelampe. Ein paar Bienen versuchen weiterhin ins Auto zu kommen. Ein paar Bienen putze ich noch aus dem Kofferraum und einige Zeit später, als alle Kücken gestreichelt und alle Schaukeln ausprobiert sind, machen wir uns auf dem Heimweg. Nachdem das Wetter trüb ist und der Abend naht, übernachten die Bienen in der Schwarmkiste am Balkon - morgen lassen wir sie einlaufen.

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